
Verständnis von Verstopfung und Stomaausscheidung
30. Juni 2025
Verstopfung ist ein häufiges Verdauungsproblem – doch kann man auch mit einem Stoma unter Verstopfung leiden? Bevor wir uns mit Verstopfung bei einem Stoma befassen, sollten wir zunächst klären, was Verstopfung bei einem normalen Darm bedeutet. Was ist Verstopfung? Im Allgemeinen versteht man unter Verstopfung einen seltenen, erschwerten oder unvollständigen Stuhlgang. Zu den häufigen Anzeichen gehören:
Seltenerer Stuhlgang als gewöhnlich – doch was ist „gewöhnlich“? Das kann sehr unterschiedlich sein; jeder Mensch entwickelt ein Gefühl für seinen eigenen „Normalzustand“. Im Allgemeinen liegt dieser im Bereich von dreimal täglich bis dreimal wöchentlich.
Pressen beim Stuhlgang
Ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
Harter, trockener oder klumpiger Stuhl. Wer die „Bristol-Stuhlformen-Skala“ (Bristol Stool Chart) kennt: Dies entspricht den Stufen 1 oder 2.

Ursachen von Verstopfung – Zu den häufigsten Ursachen gehören:
Ballaststoffarme Ernährung
Ballaststoffe tragen dazu bei, das Stuhlvolumen zu erhöhen und den Stuhl in Bewegung zu halten. Der Darm bewegt sich wellenförmig (stellen Sie sich einen Tennisball in einer Socke vor, der nach unten gedrückt wird; dieses Zusammendrücken erzeugt den „Wellen“-Effekt, der die Nahrung weitertransportiert). Eine ballaststoffreiche Ernährung sorgt für eine größere, voluminösere „Masse“, gegen die der Darm arbeiten kann. Umgekehrt liefert eine ballaststoffarme Ernährung kein „Volumen“, wodurch der Transport verlangsamt werden kann.
Flüssigkeitsmangel
Eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann den Stuhl härter und den Stuhlgang schwieriger machen.
Medikamente
Häufige Auslöser sind Schmerzmittel (insbesondere Opioide), Antazida, Eisenpräparate und bestimmte Blutdruckmedikamente.
Mangel an körperlicher Aktivität
Bewegung regt die Darmfunktion an.
Emotionaler Stress oder Angst
Darm und Gehirn sind eng miteinander verknüpft; Stress kann die Darmtätigkeit verlangsamen.
Veränderungen der Routine oder Ernährung
Reisen, Krankheiten oder Operationen (wie die Anlage eines Stomas) können den normalen Stuhlgang beeinträchtigen.
Verstopfung bei einem Stoma: Bei Menschen ohne Stoma betrifft Verstopfung typischerweise den Dickdarm und das Rektum. Bei Menschen mit Stoma unterscheiden sich die Symptome von Verstopfung und Veränderungen der Ausscheidung jedoch erheblich, je nachdem, wo sich das Stoma im Verdauungstrakt befindet. Die Art des Stomas spielt eine wichtige Rolle dabei, wie sich eine Verstopfung äußert – oder ob sie überhaupt wahrscheinlich ist. 1. Ileostoma (Ausleitung aus dem Dünndarm)
Lage: Ende des Dünndarms (Ileum)
Normale Ausscheidung: Breiig bis halb geformt, oft eher flüssig
Risiko für Verstopfung:
Eine echte Verstopfung ist bei einem Ileostoma selten, da der Dickdarm – in dem Wasser resorbiert wird – umgangen wird und somit die gesamte Flüssigkeit erhalten bleibt.
Blockaden (Darmverschlüsse) können jedoch einer Verstopfung ähneln. Anzeichen hierfür sind:
Plötzliche Verringerung oder Ausbleiben der Ausscheidung
Krampfartige Bauchschmerzen
Übelkeit oder Erbrechen
Aufgeblähter Bauch
Kolostomie (Ausleitung des Dickdarms) – aufsteigend (aszendierend), querverlaufend (transversal) oder absteigend (deszendierend)

Die Lage Ihres Kolostomas im Dickdarm beeinflusst die Konsistenz Ihres Stuhls – und die Wahrscheinlichkeit, an Verstopfung zu leiden.
Kolostomie im aufsteigenden Dickdarm (Ascendens-Kolostomie, rechte Seite):
Die Ausscheidung ist meist flüssig bis halbflüssig. Verstopfung kommt seltener vor, doch Flüssigkeitsmangel kann die Ausscheidungsmenge verringern.
Kolostomie im querverlaufenden Dickdarm (Transversum-Kolostomie, oberer Bauchbereich):
Die Ausscheidung ist eher breiig oder pastös. Verstopfung kann auftreten, ist aber seltener als bei einer Kolostomie im absteigenden Dickdarm.
Kolostomie im absteigenden Dickdarm oder im Sigma (Descendens- oder Sigma-Kolostomie, linke Seite):
Die Ausscheidung ist meist geformter und fester, ähnlich einem normalen Stuhlgang.
Hier ist die Wahrscheinlichkeit für Verstopfung am größten, da der Stuhl länger im Dickdarm verbleibt, wodurch mehr Wasser entzogen wird.
Verstopfung und Stoma: Woran erkennt man sie? Bei einem Stoma können sich die Anzeichen einer Verstopfung von den üblichen Symptomen unterscheiden. Achten Sie auf:
Eine deutliche Verringerung der Ausscheidungsmenge
Verstärktes Pressen bei der Ausscheidung (bei Irrigation des Kolostomas kann sich dies während des Spülvorgangs bemerkbar machen)
Härtere, trockenere Ausscheidung aus dem Stoma
Blähungen oder Bauchbeschwerden
Gefühl von Trägheit oder Übelkeit
Bei Ileostomie-Trägern: Achten Sie auf ein völliges Ausbleiben der Ausscheidung, was auf einen Darmverschluss hindeuten könnte.
Lösungen und Tipps bei Verstopfung mit Stoma – Ernährungsumstellung:
Erhöhung der Ballaststoffzufuhr (sofern für Ihren Stomatyp geeignet):
Gute Quellen sind Haferflocken, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte.
Hinweis: Ileostomie-Träger sollten bei ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Rohkost oder Schalen vorsichtig sein, um einen Darmverschluss zu vermeiden.
Ausreichend Flüssigkeit aufnehmen:
Besonders wichtig sowohl für Ileostomie- als auch für Kolostomie-Träger. Streben Sie 1,5 bis 2 Liter (oder mehr) pro Tag an, sofern ärztlich nicht anders verordnet.
Einsatz milder Abführmittel oder Stuhlweichmacher (bei Bedarf):
Halten Sie vor der Anwendung von Abführmitteln immer Rücksprache mit Ihrer Stomapflegekraft oder Ihrem Arzt, insbesondere bei einer Ileostomie.
Tipps zur Lebensweise:
Aktiv bleiben:
Regelmäßige, sanfte Bewegung (z. B. Spazierengehen) kann die Darmtätigkeit anregen.
Routine entwickeln:
Nehmen Sie Mahlzeiten zu festen Zeiten ein, um einen Rhythmus zu etablieren.
Massagen und warme Getränke:
Bauchmassagen und warme Flüssigkeiten wie Kräutertees können die Ausscheidung fördern. Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten: Wenden Sie sich an Ihre Stomapflegekraft oder Ihren Hausarzt bzw. suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn Sie Folgendes bemerken:
Vollständiges Ausbleiben der Stomaausscheidung für mehr als 6–8 Stunden (bei einem Ileostoma), insbesondere in Verbindung mit Krämpfen oder Übelkeit.
Starke Bauchschmerzen, Blähungen oder Erbrechen.
Kein Stuhlgang über das Kolostoma seit mehr als 3 Tagen, begleitet von Beschwerden.
Zusammenfassung: Verstopfung kommt häufig vor – erfordert jedoch bei einem Stoma besondere Aufmerksamkeit. Die Art und Lage Ihres Stomas beeinflussen, wie sich eine Verstopfung äußert und wie sie behandelt werden sollte. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine ausgewogene Ernährung und das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen helfen Ihnen, sich wohlzufühlen und Komplikationen zu vermeiden. Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um eine einfache Verstopfung oder ein ernsteres Problem wie einen Darmverschluss handelt, wenden Sie sich zur Beratung stets an Ihr medizinisches Betreuungsteam. Hilfreicher Tipp:
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